Währungsunion & Europäische Währungsgemeinschaft

Geeintes Europa auch in der Währung – die Währungsunion und die Europäische Währungsgemeinschaft

Der Grundstein für den Euro wurde bereits in den 1970er Jahren gelegt. Der innereuropäische Handel gewann in der Nachkriegszeit zunehmend an Bedeutung und um die schwankenden Wechselkurse zu stabilisieren, wurde im Jahr 1972 der Europäische Wechselkursverbund von den damals sechs Mitgliedsstaaten der Europäischen Union ins Leben gerufen. Die Zentralbanken der Mitgliedsstaaten Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien, Luxemburg und der Niederlande vereinbarten damit ein Abkommen, dass die Schwankungsbreiten ihrer Währungen verringern sollte. Mit dem 1. Januar 1973 traten mit Großbritannien, Irland und Dänemark drei weitere Länder der Europäischen Union und damit dem Europäischen Wechselkursverbund bei.

Im Jahr 1979 wurde das das Europäische Währungssystem (EWS) und mit ihm die gemeinsame Verrechnungseinheit ECU (European Currency Unit) gebildet, was die Basis für die heutige gemeinsame Währung schaffte. Ziel des EWS war es vor allem, durch feste und zugleich anpassungsfähige Wechselkurse eine Währungsstabilität innerhalb der Länder der Europäischen Gemeinschaft zu schaffen. Dazu wurde der Wechselkursmechanismus WKM ins Leben gerufen, der nach dem Vorbild der USA einen einheitlichen europäischen Markt ermöglichen sollte, in dem der der Kapitalverkehr, der Warenverkehr und der Dienstleistungsverkehr innerhalb der Europäischen Gemeinschaft von Wechselkursrisiken bewahrt werden sollte. Zugleich sollte der Weg zu einer Europäischen Währungsunion vorbereitet werden.

Von den neun Ländern, aus denen die Europäische Gemeinschaft zum Zeitpunkt der Einführung des EWS bestand, wendeten alle außer Großbritannien Wechselkursmechanismus WKM sofort an. Die Briten wendeten den WKM erst im Jahr 1990 an, traten jedoch ebenso wie Italien zwischenzeitlich aus dem Wechselkursmechanismus des EWS aus. Zu den neu beigetretenen Ländern der Europäischen Gemeinschaft und der EWS zählten Spanien (EG Beitritt 1986, WKM ab 1989), Portugal (EG Beitritt 1986, WKM ab 1992), Österreich (EG und WKM 1995), Finnland (EG Beitritt 1995, WKM ab 1996) und Griechenland (EG Beitritt 1981, WKM ab 1998). Das ebenfalls 1995 der EG beigetretene Schweden wendete den Wechselkursmechanismus gar nicht an.

Der lange Weg zur Europäischen Währungsunion

Trotz der Wegbereitungen durch das Europäische Währungssystem und den Wechselkursmechanismus war es noch ein langer Weg bis hin zur Europäischen Währungsunion.

Ein wichtiger Schritt war der freie Kapitalverkehr, der am 1. Juli 1990 zwischen den Staaten der damaligen Europäischen Gemeinschaft vereinbart wurde.
Der im Jahr 1992 unterzeichnete Vertrag von Maastricht, der im Jahr 1993 in Kraft trat, machte aus den Europäischen Gemeinschaften die Europäische Union (EU) und beinhaltete die Vereinbarung zu einer vollständigen Wirtschafts- und Währungsunion und zur Einführung einer gemeinsamen Währung im Jahr 1999.

Am ersten Januar 1994 wurde das Europäische Währungsinstitut (EWI) geschaffen. Es gilt als Vorläufer der im Jahr 1998 gegründeten Europäischen Zentralbank (EZB), die gemeinsam mit den Zentralbanken der 15 Mitgliedsstaaten das „Europäische System der EU“ bildet. Ihr Ziel ist es, die stabilitätsorientierte Finanzpolitik im späteren Euro-Währungsgebiet umzusetzen.

Doch zunächst ist das Europäische Währungsinstitut am Zug, das die Staatshaushalte der beitrittswilligen Staaten prüft. 1996 wurde in Dublin der Stabilitäts- und Wachstumspakt beschlossen, der heute auch als Euro-Stabilitätspakt bekannt ist. Grundlegende Forderung des Pakts ist, dass in den Euro Ländern in wirtschaftlich normalen Zeiten auf einen größtenteils ausgeglichenen Staatshaushalt und eine Begrenzung der öffentlichen Schulden geachtet wird. Die Vereinbarungen sind jedoch keine starren Vorgaben, sondern beinhalten Spielräume, um bei Bedarf schuldenfinanzierte Haushaltsdefizite zu ermöglichen oder die Verschuldung durch Haushaltsüberschüsse zu reduzieren.

Der Euro kommt

In der zweiten Jahreshälfte 1998 übernahm Österreich den Vorsitz im Rat der Europäischen Union. Am 31. Dezember 1998, ein halbes Jahr nach der Gründung der EZB am 1. Juli des Jahres in Frankfurt am Main, wurden unter dem österreichischen Finanzminister Rudolf Edlinger die Wechselkurse festgelegt und mit dem 1. Januar 1999 war der Euro, wie im Vertrag von Maastricht 1992 vereinbart, die gesetzliche Buchungswährung in der EU.
Drei Jahre später, am 1. Januar 2002, wurde der Euro im Zuge der der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion (EWWU) als Bargeld-Währung eingeführt. Die neue Währung galt für die EU-Länder Belgien, Deutschland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Luxemburg, Österreich, Portugal, Spanien und die Niederlande. In Schweden, England und Dänemark fand der Euro als Bargeld-Währung keine Anwendung, die Länder hielten und halten an ihren ursprünglichen Landeswährungen fest.

Dafür übernahmen Andorra, Monaco, San Marino und der Vatikan resultierend aus einer Währungsunion mit den Staaten der Eurozone den Euro ebenfalls zum 1. Januar 2002.

Seither hinzugekommen sind Slowenien (2007), Malta (2008), Zypern (2008), die Slowakei (2009), Estland (2011), Lettland (2014) und Litauen (2015).
Damit besteht die Eurozone seit 2015 aus 19 EU Ländern.

Zeittafel

  • 1972 Gründung des Europäische Wechselkursverbunds
  • 1979 Gründung des Europäischen Währungssystems (EWS) mit der gemeinsamen Verrechnungseinheit ECU (European Currency Unit) und dem Wechselkursmechanismus WKM
  • 1990 Einführung des freien Kapitalverkehrs zwischen den Staaten der damaligen Europäischen Gemeinschaft
  • 1993 Vertrag von Maastricht mit Gründung der EU und Vereinbarung einer vollständigen Wirtschafts- und Währungsunion und Einführung einer gemeinsamen Währung im Jahr 1999
  • 1994 Gründung des Europäischen Währungsinstituts (EWI)
  • 1996 Beschluss des Stabilitäts- und Wachstumspakts in Dublin
  • 1998 Gründung der Europäischen Zentralbank EZB
  • 1999 der Euro wird gesetzliche Buchungswährung in der EU
  • 2002 der Euro wird im Zuge der der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion (EWWU) als Bargeld-Währung in 12 EU Ländern eingeführt. Bis ins Jahr 2015 kommen weitere sieben Länder hinzu

Die neue Währung braucht einen Namen

Während an der Einführung einer gemeinsamen Währung gearbeitet wurde, musste natürlich auch ein Name gefunden werden, der von allen beteiligten Ländern für gut befunden wurde. Die Einigung war jedoch gar nicht so einfach. „Kronen“, „Gulden“ oder „Franken“ wurden ebenso vorgeschlagen wie die Nutzung der Abkürzung ECU, „european currency unit“ – Europäische Rechnungseinheit. Eine Einigung der beteiligten Länder konnte jedoch bei keinem dieser Vorschläge erzielt werden. Außerdem wurde erwogen, die bislang gültigen Währungsbezeichnungen in den einzelnen Ländern beizubehalten. Das hätte jedoch zu Problemen bei der Herstellung von Banknoten und Münzen geführt, die in der gesamten Eurozone ein möglichst einheitliches Erscheinungsbild haben sollten.

Der Vorschlag „Euro“ kam aus Deutschland und er wurde schließlich von allen Ländern akzeptiert. So benannte der Europäische Rat von Madrid die neue Währung im Dezember 1995 mit dem Namen Euro. Wichtige Kriterien für die Wahl des Namens waren, dass er in allen Sprachen der EU leicht auszusprechen war und dass er nicht nur aus einer Abkürzung wie ECU bestand. Das Wort Euro stehe außerdem für die Gemeinsamkeit aller Europäer und habe daher eine wichtige integrierende Funktion.

Nach der Einigung auf den Namen Euro im Jahr 1995 wurde im Jahr 1996 das Eurozeichen € als Währungssymbol vorgestellt.
Das Zeichen besteht aus einem großen C mit zwei Querstrichen oder einem Gleichheitszeichen = und erinnert damit sowohl an ein großes E als Anfangsbuchstaben des Währungsnamens als auch an ein griechisches Epsilon (ε) und den antiken Ursprung Europas. Durch die beiden parallelen Striche soll die Stabilität der Währung symbolisiert werden.

Die offizielle Abkürzung für die gemeinsame Europäische Währung lautet EUR.

Die Euro Banknoten und Münzen

Es gibt sieben Euro Banknoten und acht Euro Münzen. Die Scheine haben die Werte 5, 10, 20, 50, 100, 200 und 500 Euro, die Münzen sind unterteilt in sechs Münzen im Cent-Bereich (1, 2, 5, 10, 20 und 50 Cent) und 1 beziehungsweise 2 Euro. Die Banknoten tragen als Motive auf der Vorderseite Fenster und Tore und auf der Rückseite Brücken.  Sie stammen aus der Feder des österreichischen Graphikers Robert Kalina, der als Banknotenentwerfer bei der Österreichischen Nationalbank tätig war. Bereits seit 1982 zeichnete er für das Design der österreichischen Schillinggeldscheine verantwortlich und er gelangte zu internationaler Bekanntheit, als seine Arbeiten im Jahr 1996 aus 44 konkurrierenden Entwürfen für die neue EURO Währung ausgewählt wurden.

Vorgabe für die Entwürfe war, keine nationalen Eifersüchteleien und Streitigkeiten aufgrund des Designs der neuen Banknoten aufkommen zu lassen. Auf nationale Anspielungen oder die Abbildung bekannter Persönlichkeiten musste daher verzichtet werden. Während auf vielen der anderen Entwürfe in Anlehnung an die nationalen Banknoten anonyme Portraits abgebildet waren, konnte Kalina mit seinen neutralen Motiven aus der europäischen Architektur und den länderübergreifenden Baustilen überzeugen.

Bei den abgebildeten Motiven handelt es sich demnach auch nicht um existierende Bauwerke, so das keine nationalen Bezüge hergestellt werden können. Die Bedeutung ist vielmehr symbolisch, denn die Türen und Fenster stehen für die Offenheit, die Brücken für das Verbindende der EU-Länder. Je höher der Wert der Banknote ist, desto jünger ist der dort abgebildete Architekturstil. Die Banknoten unterscheiden sich außerdem in den Farben und Größen.

  • 5 Euro Note:   Größe: 120 x 62 mm
    Farbe: grau

Baustil: Klassik

  • 10 Euro Note: Größe: 127 x 62 mm
    Farbe: rot

Baustil: Romanik

  • 20 Euro Note: Größe: 133 x 72 mm
    Farbe: blau

Baustil: Gotik

  • 50 Euro Note: Größe: 140 x 77 mm
    Farbe: orange
    Baustil: Renaissance
  • 100 Euro Note: Größe: 147 x 82 mm
    Farbe: grün
    Baustil: Barock und Rokoko
  • 200 Euro Note: Größe: 153 x 82 mm
    Farbe: gelb
    Baustil: Eisen- und Glasarchitektur
  • 500 Euro Note: Größe: 160 x 82 mm
    Farbe: lila
    Baustil: Moderne Architektur des 20. Jahrhunderts

 

Seit Mai 2013 werden die bisherigen Banknoten durch neue, fälschungssichere Scheine ersetzt.

Anders als bei den Banknoten bleibt den Ländern bei den Münzen eine gewisse gestalterische Freiheit. Die Rückseiten dürfen von jedem Land mit einem frei gewählten Symbol versehen werden.

Übersicht EU Länder in der Eurozone

  • Belgien
  • Deutschland
  • Finnland
  • Frankreich
  • Griechenland
  • Irland
  • Italien
  • Luxemburg
  • Österreich
  • Portugal
  • Spanien
  • Niederlande
  • Slowenien
  • Malta
  • Zypern
  • Slowakei
  • Estland
  • Lettland
  • Litauen

Übersicht EU Länder ohne Euro

  • Dänemark
  • Schweden
  • Großbritannien

Übersicht Länder außerhalb der EU mit Euro

  • Andorra (mit Währungsunion)
  • Monaco (mit Währungsunion)
  • San Marino (mit Währungsunion)
  • Vatikan (mit Währungsunion)
  • Montenegro (ohne Währungsunion)
  • Kosovo (ohne Währungsunion)

Übersicht Beitrittskandidaten

  • Bulgarien
  • Kroatien
  • Polen
  • Rumänien
  • Tschechien
  • Ungarn
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