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Aktualisiert am 07/01/2010
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Home > Freizeit > snow & matsch > Festivalgeschichten > 170 Gramm Sicherheitsrisiko



170 Gramm Sicherheitsrisiko

Claudia

von Claudia Hubmann

 

„Den Schirm darfst aber nicht mit reinnehmen.“ Der Satz des freundlichen Securitymanns sitzt. Bringt er in seiner Kürze doch das ganze Dilemma heimischer Sommerfestivals auf den Punkt. Keine Schirme auf dem Gelände, so will es die österreichische Festivalkorrektheit. Lässig deutet der Ordner auf eine Schachtel, in der bereits zahlreiche Knirpse vor sich hindämmern. „Nach dem Konzert kannst ihn wieder mitnehmen.“ Ja eh, sofern nicht jemand anderer inzwischen die Gratiswühlkiste zur Beschaffung eines neuen Regenschutzes genutzt hat. Lächerliche 170 Gramm Stoff und Plastik sind es also, die jetzt das Draußen, mich, vom Drinnen, den Strokes, trennen.

Dabei könnte alles so einfach sein. Ein Jahr zuvor hat sich nämlich haarscharf dieselbe Situation ereignet, allerdings nicht im wilden Niederösterreich, sondern im wohlerzogenen London. Da ist der britische Securitymann unversehens in glucksendes Lachen ausgebrochen, als ich ihm am Festivaleingang brav meinen Minischirm unter die Nase gehalten habe. Alles kein Problem, man könne schließlich auch die eigene Kühlbox mit Getränken und Jause mit hineinnehmen. Nur verkaufen solle man das Ganze nicht, bitte.

Im Schnürlregen vor der Bühne weiß der von kontinentalen Festivalvorschriften gedrillte Konzertgast den pragmatischen englischen Umgang mit dem Regenschutz dann extrem zu schätzen. LCD Soundsystem, Soulwax, New Order, Kasabian, Graham Coxon, The Rakes, die Dresden Dolls, Lady Sovereign und viele mehr spielen vor tausenden schwarzen Miniknirpsen, knallbunten Automatikmodellen und riesigen Sonnenschirm-Monstern. Und trotzdem herrscht auf jedem Punkt des Festivalgeländes beste Sicht, als Pete Doherty schließlich zu „Fuck Forever“ mehr schlecht als recht über die Bühne torkelt.

Bei den Strokes schaut es mittlerweile immer düsterer aus. Das 170 Gramm leichte Schirmchen bleibt ein Sicherheitsrisiko. Mein launig vorgebrachter Einwand, ich könne ja auch mit dem Kajalstift in Weichteile stechen oder meinen Partner auf die Bühne werfen, erntet verständnisloses Starren. Schließlich wird das Corpus delicti beim Brezelmann vor dem Eingang deponiert und nach der Show unbeschadet wieder abgeholt. Die Strokes waren übrigens großartig.

 

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